![]() |
|||||||||||||||||
Bruno Voigt (1912 - 1988) |
|||||||||||||||||
Bonner Generalanzeiger Mittwoch, 17. Januar 1990 Kunst im Widerstand Von Gisela KickerBruno Voigt in der Galerie Margarethenhof Bruno Voigt (1912 - 1988) ist ein Zeitzeuge der unheilvollen Schreckensherrschaft von 1933 - 1944, der mit Pinsel und Feder in vielen Zeichnungen, Ölbildern und Aquarellen im verborgenen Widerstand gegen Unrecht und Greueltaten leistete. Seine Arbeiten überdauerten gut verpackt im Gebälk eines Hauses Nationalsozialismus und Krieg. Der in Gotha/Thüringen geborene politisch-sozial engagierte Künstler hat schon vor 1933 Caféhaus- und Straßenszenen, Beobachtungen aus dem Arbeitermilieu, Porträts von sozialen Außenseitern, Freunden und Genossen gezeichnet. Sein Oeuvre beinhaltet kaum Stilleben oder Landschaften. Ein Teil der Arbeiten Voigts von 1933 - 44 sowie Werke aus dem Nachlaß werden nun zum ersten Mal in der Galerie Margarethenhof der Friedrich-Naumann-Stiftung gezeigt. Sie enthalten kompromißlose, drastisch-direkte Aussagen über das NS-Regime, wo diese Art von Kunst nur im Exil oder im innerdeutschen Widerstand stattfinden konnte. Voigt riskierte mit seinen mahnenden, unverschlüsselten Bildern sein Leben. Die tägliche Angst vor der Entdeckung, vor Terror und Tod ist ein wesentlicher Ausdruck seines Werkes ("Angst I, lI"). "Wir hatten alle einfach Angst, ich habe versucht, auf ein paar Gesichtern das darzustellen", erklärte Voigt 1988 in einem Interview kurz vor seinem Tod. Drei "Herren-Menschen" (1933) stehen vor einer roten, häßlichen Ziegelwand, wie sie bei Schulen, Bahnhöfen, Postämtern, vornehmlich aber bei Gefängnissen vorkommt. Der Mann links im Bild ist die Verkörperung des Faschismus: Ein bleicher Typ mit dunklen Augenschatten, die andeuten, daß Tod und Untergang bevorstehen. Bösartig-fanatisch schaut die blonde germanisch-ländliche NS-Frau, suspekt ist der Blick des älteren Mannes, der eine Uniform aus dem Ersten Weltkrieg hervorgeholt hat. Er scheint Bedenken zu haben. Diese Bedenken fanden ihre furchtbare Bestätigung. Als Bürde, die dem Soldaten zeit seines Lebens bleibt, trägt er die Toten auf seinem Rücken ("Marschgepäck" 1944). Voigt erlebte als Soldat das Grauen des Krieges, das er durch seine Zeichnungen loswerden wollte. Bis 1947 war er in französischer Kriegsgefangenschaft. In dieser Zeit entstanden skizzenhafte Zeichnungen (Caféhausszenen und Porträt). Die Blätter könnten dazu anregen, an eine Erfasssung deutscher Kunst, die in den Kriegsgefangenen-Lagern entstanden ist, heranzugehen. |
|||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||
| zu den Bildern |
|||||||||||||||||
| | zurueck zum Seitenanfang | |
|||||||||||||||||